Master-Thesis

Bestandsgebäude 

Diese Masterarbeit beschäftigt sich mit der Umnutzung einer ehemaligen Mälzerei im historischen Zentrum von Nördlingen, Bayern.

Das zurückversetzte Gebäude ist von drei Seiten aus erschlossen und bildet entlang der Herrengasse eine markante städtebauliche Lücke.

Der Bestand gliedert sich um einen zentralen Erschließungsgang (weiß), der von den ehemaligen Mälzereiräumen (rot), den Silos (gelb) und der Keimanlage (grau) umgeben ist. Die Keimanlage ist aufgrund ihres schlechten baulichen Zustands nicht erhalten geblieben.

Wissenschaftliche Grundlagen

Ziel des Projekts war es, die ehemalige Mälzerei nicht nur baulich umzunutzen, sondern einen Mehrwert für die historische Altstadt von Nördlingen zu schaffen. Der Bestand bleibt weitgehend erhalten, während die markanten Silos neu interpretiert werden.

Akustische Untersuchungen zeigten, wie stark Raumgeometrie und Material die Wahrnehmung von Klang beeinflussen. Besonders kreisförmige Hohlräume erzeugen durch die Überlagerung von Schallwellen einen charakteristischen Nachhall.

Diese Erkenntnisse führten zur Idee einer Musikakademie, die Klang nutzt, um die ehemaligen Industrieräume neu zu erleben und einen kulturellen Treffpunkt für Bewohner, Künstler und Besucher zu schaffen.

Step By Step

Die Diagramme zeigen den Rückbau der ehemaligen Keimanlage, deren Außenwände erhalten bleiben. Innerhalb dieser Struktur entsteht ein neuer, barrierefreier Baukörper, der gemeinsam mit den Bestandswänden einen Innenhof bildet.

Zwei weitere Baukörper ergänzen das Ensemble und schaffen einen zentralen Platz, der mit den Satteldächern des Bestands in Dialog tritt.

Die Dachform des Neubaus reagiert sowohl auf akustische Anforderungen als auch auf die historischen Bauvorgaben Nördlingens. Die einzelnen Gebäude erhalten unterschiedliche Nutzungen: Neben der Musikakademie entstehen Wohn- und Gastronomieflächen.

Eine aus dem Bestand heraus entwickelte Bühne kann sowohl von innen als auch vom Platz aus genutzt werden und belebt so den neu geschaffenen Stadtraum.

Innenräume 

Der Erdgeschossgrundriss zeigt die offene Bühne und das große Veranstaltungssilo im östlichen Teil des Gebäudes.

In den oberen Geschossen werden weitere Silos mit unterschiedlichen Größen und Geometrien erlebbar. Besucher können hier mit Klang experimentieren und verschiedene räumliche Situationen unmittelbar erfahren.

Die Obergeschosse beherbergen Unterrichtsräume. Im obersten Geschoss des Neubaus befindet sich ein Konzertsaal, der auch für größere Veranstaltungen genutzt werden kann.

Fassade

Während des Entwurfsprozesses stellte sich die Frage, wie sich die kreative und akustische Identität der Musikakademie nach außen zeigen lässt. Inspiriert durch die Fassade des Klosters La Tourette von Le Corbusier entstand gemeinsam mit einem befreundeten Mathematiker ein Fassadensystem aus Holzlamellen, die einem einfachen mathematischen Raster folgen.

Die klare, rhythmische Struktur bildet einen bewussten Kontrast zum industriellen Charakter des Bestands. Entlang der Herrengasse macht die Fassade die Musikakademie im Stadtraum sichtbar und lässt sie aus ihrer geschützten Hofsituation hervortreten.

Als vorgehängte Konstruktion sorgen die Lamellen zugleich für Verschattung und einen verbesserten sommerlichen Wärmeschutz. Im Inneren entsteht durch das wechselnde Sonnenlicht ein sich über den Tag veränderndes Spiel aus Licht und Schatten.

Transformation

Die Transformation zeigt die Entwicklung der ehemaligen Mälzerei von einem ungenutzten Industriegebäude zu einem lebendigen Ort für Gemeinschaft und gemeinsames Musizieren.

Der Bestand wird dabei nicht ersetzt, sondern neu interpretiert und durch neue Nutzungen zu einem offenen kulturellen Treffpunkt für die Stadt.

Benefits of the new music academy
Benefits of the new music academy